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Highlights, Aktuelles

Jahresrückblick 2018 am IMBA – Fördererfolg für die Stammzellforschung, „preisgekrönte“ Technologien und wegweisende Publikationen für die Medizin von morgen

Das IMBA – Institut für Molekulare Biotechnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, erhielt 2018 neben dem hochdotierten „Consolidator Grant“ Grant des Europäischen Forschungsrats ERC gleich zwei Förderungen der Human Frontier Science Programm Organisation (HFSPO) für die Stammzellforschung am IMBA. Zu den wegweisenden Erkenntnissen 2018 zählen mitunter die neu entwickelten Gehirntumor-Organoide sowie ein spektakulärer neuartiger Ansatz für Immunotherapien. Im Juli 2018 übernimmt Prof. Jürgen Knoblich die wissenschaftliche Leitung am IMBA, und folgt damit Gründungsdirektor und langjährigem Leiter Josef Penninger.

Internationaler Fördererfolg für die IMBA-Stammzellforschung

IMBA Gruppenleiterin Kikuë Tachibana erhielt eine prestigeträchtige Förderung im Wert von 1,2 Millionen Dollar, um zu erforschen, wie die Kernmasse unserer Zellen, das sogenannte Chromatin, innerhalb von Stunden nach der Befruchtung der Eizelle „umprogrammiert“ wird, sodass daraus ein völlig neuer Organismus entstehen kann. Totipotenz, diese Zelleigenschaft des einzelligen Embryos, gilt als heiliger Gral der Lebenswissenschaften, da über die genauen Mechanismen wenig bekannt ist. Die erfolgreiche Forscherin konnte zudem den begehrten „Consolidator Grant“ des Europäischen Forschungsrats ERC für ihre Forschung rund um das „Wunder Leben“ einwerben.
Eine weitere hochkarätige HFSP Förderung im Wert von 1 Million Dollar ging an den Stammzellforscher Bon-Kyoung Koo, um die „allerersten Schritte“ der Krebsentstehung zu entschlüsseln - nämlich wie Mutationen über längere Zeit gesunde Zellen entarten lassen. Koos Forschung ist relevant für Magen- und Darmkrebs, zwei Krebsarten, die weltweit immer häufiger vorkommen. Auch der bis dato wenig erforschte Leberkrebs steht im Visier von Dr. Koo.

Preisgekrönte Technologie für Forschung und Medizin

Der IMBA Gruppenleiter Stefan Ameres erhielt 2018 den ERC „Proof of Concept“ Grant sowie den renommierten Houskapreis der B&C Privatstiftung, einen der höchstdotierten privaten Forschungspreise des Landes, für die in seinem Labor entwickelte Sequenzier-Methode SLAMseq. Diese Technologie erlaubt die Entschlüsselung des menschlichen Erbguts durch Hochdurchsatz- Messung von Genexpressionsdynamiken. Damit können Abweichungen in Genexpressionsmustern bestimmt werden, welche schwerwiegende Krankheiten, wie etwa Krebs, hervorrufen können. Die patentierte Sequenzier-Methode birgt enormes Potential sowohl für die Grundlagenforschung als auch für die Pharmaindustrie, um auf Wirksamkeit von Medikamenten zu testen. SLAMseq wurde in Zusammenarbeit mit dem Biotechnologie-Unternehmen Lexogen GmbH zur Marktreife entwickelt und wird seit Ende 2017 als Sequenzier-Kit weltweit vertrieben.

Wegweisende Publikationen für die Medizin von morgen

Das Team rund um Stammzellpionier Jürgen Knoblich, der seit Juli wissenschaftlicher Direktor am IMBA ist, entwickelte 2018 ein bahnbrechendes Modellsystem für Gehirntumoren, insbesondere das gefürchtete Glioblastom, gezielt zu erforschen und Krebs-Medikamente zu testen. Das Novum: Die neue Technologie erlaubt es den ForscherInnen, den Prozess der Krebsentstehung im Gehirn nun in der Petrischale nachzuspielen. Die ForscherInnen können dadurch praktisch dabei zusehen, wie dem Organoid ein Tumor wächst, wie das Fachmagazin Nature Methods berichtete. Das Team um Josef Penninger konnte im November dieses Jahres wichtige Erkenntnisse für mögliche Immunotherapien machen, die im Fachmagazin Nature veröffentlicht wurden. Ein Baustein des Glückshormons Serotonin namens BH4 nimmt eine Schlüsselrolle für die Immunantwort von T Zellen ein. Dieser neue Ansatz verknüpft zwei völlig verschiedene Systeme in unserem Körper und unterscheidet sich von allen bisher bekannten Immun -Checkpoints. Die Therapiemöglichkeiten sind breit gefächert und reichen von Autoimmunerkrankungen, Asthma und Allergien bis hin zu Krebs.

Schwerpunkt Seltene Erkrankungen

Ein weiterer Schwerpunkt 2018 waren Seltene Erkrankungen. So fand heuer an den Instituten des Vienna BioCenters erstmals die internationale Forschungskonferenzreihe Keystone Symposia statt. „From Rare to Care“ wurde von IMBA Gründungsdirektor Josef Penninger organisiert und stand ganz im Zeichen Seltener Erkrankungen sowie deren Diagnose und Behandlung. Am IMBA wird seit 2017 die sehr seltene „Diamond-Blackfan-Anämie“ (DBA) erforscht, das ist eine seltene Erkrankung des Blutsystems, die vor allem Kinder betrifft. Eine betroffene Familie hatte sich 2016 an das IMBA gewandt. Seither läuft ein Forschungsprojekt gemeinsam mit der medizinischen Universität Wien, das ausschließlich aus privaten Mitteln finanziert wird und den Ursachen der Krankheit auf die Spur kommen soll. Im November fand unter Mitwirkung zahlreicher UnterstützerInnen und prominenter Gäste ein Benefizabend in den Wiener Sofiensälen statt, bei dem über 200.000 Euro an Spenden für die Erforschung der DBA lukriert werden konnten. Ein weiterer prominenter Unterstützer des Projekts ist der Fußballklub Wiener Austria: James Jeggo, neuer Stürmer Star des FK Austria, ist das aktuelle Kampagnengesicht, um Bewusstsein für die Seltene Krankheit DBA zu schaffen.

15 Jahre Spitzenforschung - in Bildern

Zusammen mit der Universität für angewandte Kunst Wien und der Klasse für Angewandte Fotografie und zeitbasierte Medien wurde 2018 am IMBA ein einzigartiges Projekt realisiert: 15 wegweisende Publikationen in der 15-jährigen Geschichte des IMBA, die nicht nur in Wissenschaftskreisen bedeutsam sind, sondern auch einen starken gesellschaftlichen Nutzen haben, wurden von Studierenden der Angewandten künstlerisch interpretiert. Ein intensiver Dialog zwischen ForscherInnen und KünstlerInnen bildete die Basis für die einzigartigen Fotostrecken. Das Ergebnis: Molekulare Grundlagenforschung im neuen Licht. Am 8. November wurde dieser etwas andere „Jubiläums-Bildband“ der Öffentlichkeit vorgestellt. „Looking Glass – Photographic Essays on the Mechanisms of Life”, herausgegeben in der Buchreihe der Universität „Edition Angewandte“ im De Gruyter Verlag, ist ein konzeptionelles Bild/Textbuch, das Kunst und Wissenschaft spielerisch verbindet. Hochkomplexe Forschungsergebnisse werden durch abstrakte Fotografie in neues Licht gerückt und auch auf einer emotionalen Ebene greifbar gemacht.